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Der letzte Teil (alles Bisherige gibt´s hier) meines Rückblicks auf die Zappanale #21 beginnt mit einem der ganz großen Momente an der Galopprennbahn. LeBocal, die sich tags zuvor auf die Truckstage quetschten, breiteten sich auf der Mainstage aus und verbreiteten einen sensationellen Sound auf dem Festivalground. Nach wenigen Momenten wurde es rappelvoll vor der Bühne und die Leute ließen sich den Bläserwind um und durch die Ohren pfeifen. Ja, da war er, der versprochene Big Band Sound, der Erinnerungen an Zappa´s 88er Tour wach werden lassen sollte.
Aber nix von wegen Note für Note brav nachgespielt! Sambarhythmen und Funk, gepaart mit exzellenten Gesangsparts von Ernie Odoom und dessen grandiosen Entertainerqualitäten verbreiteten gute Laune und fröhliche Gesichter am Sonntagmorgen. Was für eine Ausstrahlung und Bühnenpräsenz hat dieser Mann! Ich möchte behaupten, dass er in diesem Jahr diesbezüglich als einziger neben Napoleon zu überzeugen wusste (Ponty lassen wir da selbstredend einmal außen vor).
Vorsichtig machte die Band klar, dass sie auch Eigenkompositionen zum Besten geben wird, die aber hoffentlich ob ihrer zappaesken Strukturen gefallen werden. Und gerade die kamen besonders gut an. Ich glaube fast, LeBocal hätte sogar den Tiger Rag spielen können, dieser Sound haute einfach alle um. Dass Robert Martin ein Saxophonsolo beisteuerte, setzte dem Fass die Krone auf! Alles in Allem eines der besten Konzerte, welches ich je auf einer Zappanale erlebte.

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Nach der Umbaupause wurde es schlagartig wieder eng vor der Mainstage. Einer der wahnwitzigsten Gigs diesen Jahres stand an: Sebkha Chott, die letztes Jahr leider kurzfristig absagen mussten, stellten zunächst einige verrückte Dinge auf die Bühne, läuteten mit heftigen Geräuschen ihren Auftritt ein und erschienen nach und nach in ebenfalls verrückter Montur. Diese Show zog alle in ihren Bann, alte Zappatistas ebenso wie das ganz junge Publikum. Ungewöhnliche Optik, Anmache vom “Sänger”, karnevalistische Einlagen und teils fremdartige Geräusche hatten trotz alledem irgendwie eine insgesamt belustigende Wirkung. Schade, dass dieser Gig schon so früh angesetzt war. die eigens mitgebrachte Lightshow kam kaum zur Geltung, hätte aber zu späterer Stunde dieses “Gesamtkunstwerk” sicherlich noch deutlicher in Szene gesetzt.
Nach dem Auftritt hatte ich noch ausgiebig Gelegenheit, mich mit ihnen zu unterhalten. So ganz zufrieden waren sie nicht, da nach dem Ausstieg von B. Popol II und Jules Kaiser immer noch immense Probleme bestehen, mit der komplexen Bühnen- und Computertechnik klarzukommen. Sie hatten da wohl ein paar Aussetzer, die (wie ich ihnen ruhigen Gewissens versichern konnte) wohl kaum jemand mitbekommen hat. Übrigens verbergen sich hinter den Masken und Kostümen ganz nette normale Jungs, die gerne das eine oder andere Bierchen trinken und einfach gut drauf sein wollen.

 

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Nach den beiden Bands aus Frankreich kam das spanische Filthy Habits Ensemble und lieferten wie versprochen einen grandiosen Auftritt ab. Ein außer Rand und Band tanzender Daevid Allen inmitten der Zuschauerschar, wippende Füße allüberall, sich biegende Körper und ein glücklich strahlender Wolfhard waren Ausdruck allgemeiner Begeisterung. Die komplexen Arrangements präzise gespielt, war dies eine hervorragende Ergänzung zu dem, was schon LeBocal ablieferten, nur eben eine ganze Portion rockiger, jazziger und härter. Ein Kritiker brachte es mal auf den Punkt: “Die Interpretationen Zappa´s Musik kommen dabei mit einer Frische und humoresken Unverfrorenheit zum Publikum, dass es sich dieser respektlosen Inszenierung nicht zu entziehen vermag.”

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Spätestens jetzt kam das mulmige Gefühl im Magen! Als Jean-Luc Ponty die Geige in die Hand nahm, war klar: gleich ist´s vorbei. Zunächst aber bitte volle Konzentration auf diesen einmaligen Geigenvirtuosen. Wenn man nicht gerade abgelenkt war von Guy Nsangue Akwa am Bass. Wow! Ob es da irgendeine Verwandtschaft zu Stanley Clarke gibt? Aber auch William Lecomte an den Tasten und der noch sehr junge Pierre-Francois Titi Dufour an den Drums lieferten eine überzeugende Leistung ab. Insgesamt ein sehr gut eingespieltes Quartett, dem man auch eine ganze Portion Spielfreude anmerkte. Ponty war völlig entspannt, ganz anders als Terry Bozzio letztes Jahr, der um seine Person doch eine Menge Aufhebens machte. Hier war von Starallüren absolut nichts zu merken. Große Freude, als sogar King Kong gespielt wurde. Pontys Hommage an Frank Zappa an diesem Abend - und wohl auch an die Zappanale.

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Highlights des Tages:

 

Die Goodbye to Zappanale #22 Session beendete den offiziellen Teil der Zappanale 2010. Das Wetter zeigte sich noch kurz einmal von seiner miesesten Seite, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Es war mal wieder die beste Zappanale von allen mit einem Schlusstag, der es schwer machte zu glauben, dass es das schon wieder gewesen sein soll. Auf der Truckstage ging noch mal richtig die Party mit Aufrichtiges Zappa ab und backstage wurde bis in die frühen Morgen- stunden gefeiert.

 

 

Das war für mich mal wieder eine tolle Woche. Schon der Auftakt in Hamburg war vielversprechend. Meine persönlichen Highlights waren ganz klar Daevid Allen (der mich genau so lange begleitet wie Frank Zappa), The Muffin Men, das Ensemble Ambrosius, natürlich die Central Scrutinizer Band, die umwerfenden LeBocal, die wahnsinnigen Sebkha Chott und selbstredend Jean-Luc Ponty & His Band und das Wiedersehen mit all den lieben Leuten, auf die ich mich ganz besonders freue, wenn´s hier im nächsten Jahr wieder ab geht.

Wie ich beobachten konnte, kommen Big Band Sound, klassische Ausrichtungen (2007 Harmonia Ensemble / 2010 Ensemble Modern) und Verrücktheiten wie Sebkha Chott besonders gut an. Hätte ein Gerät zur Messung der Beifallslautstärke zur Verfügung gestanden, wären nach meinem Eindruck bestimmt erstaunliche Ergebnisse zustande gekommen. Die Musiker der reinen Coverbands, seien sie auch noch so toll mit Alumnis verstärkt gewesen, hätten wohl lange Gesichter gemacht. Aber Ihr habt das vielleicht auch ganz anders erlebt... oder habt völlig andere Favoriten... gut so, dann hat ja jede/r doch das bekommen, was man/frau sich erhofft hat. Und noch etwas scheint generell zu begeistern: Rocktheater oder ungewöhnliche Inszenierungen auf der Bühne. Da fallen mir aktuell Sebkha Chott ein, aber ebenso Lazuli, Daniel Rohr und auch Sex Without Nails Bros. mit dem Joe´s Garage Musical.

Auf ganzer Linie enttäuscht hat mich Napoleon. Ein paar Titel mit dem Ensemble Ambrosius - das war´s! Auch für Napoleon? Unter diesen Umständen wird man es sich vielleicht überlegen, ihn noch mal zu holen. Sehr schade, denn ich mag ihn sehr. Ike, Denny, Robert und Ray waren meines Erachtens ausreichend präsent, so blieb es stets etwas Besonderes, was alle miteinander auch sind. Auch blieb so den anderen Bands mehr Luft, ohne von den ganz Großen erdrückt zu werden.

Caballero Reynaldo fand ich für die ersten vier bis fünf Songs ganz nett, wurde dann zwar nicht gerade langweilig, ich hatte jedoch das Gefühl, es wiederholt sich. Bands wie Orange the Juice und Beardfish brauche ich nicht, finde es aber gut, dass auch diese Musikrichtungen hier nicht zu kurz kommen.

Kein Rückblick ohne Resümee: 2.500 Zuschauer am Freitag, 3.000 am Samstag und wiederum 2.500 am Sonntag - ein Jahr Vorbereitungszeit, Verträge aushan- deln, Zusagen / Absagen, gut 100 Leute, die mitarbeiten, damit das Bier fließt, Toiletten und Duschen ok sind, Bühnen auf- und abgebaut werden und so weiter. Steht das in irgendeiner Relation zueinander? Ist das auf lange Sicht in dieser Form finanzierbar?

Die Ansprüche sind hoch, die Meinungen unterschiedlich: Klar, dass wir herkommen, um Zappa´s Musik so authentisch und so fein wie möglich gespielt zu hören. Klar, dass wir nach Flo & Eddie, Steve Vai und George Duke rufen. Wollen wir alles haben... Andererseits sehen viele (wie die Bad Doberaner Ostseezeitung) die Zukunft der Zappanale auf der kleinen Bühne. Bitteschön, dann aber ohne mich! Für lokale Nachwuchsbands und Punk-/Metal-Bands (auch oder gerade wenn sie Zappa covern), mache ich mich nicht auf den Weg.

Die Veranstalter und die Leute, die für die Bandauswahl zuständig sind, werden sich Gedanken machen müssen, wenn das Eigentliche bewahrt (finanziert), zudem aber auch jüngeres Publikum für das Festival und dessen Fortbestand gewonnen werden soll. Zugeständnisse werden von allen Seiten gemacht werden müssen. Dabei darf das Festival nicht das verlieren, wofür wir alle es lieben: seine familiäre Atmosphäre. Aber wir haben es ja im letzten Jahr erlebt: das Gelände verträgt locker 1.000 bis 1.500 Zuschauer mehr. Ich bin mal gespannt, wohin die Reise geht... Einen Fehler sollte man jedoch bitte nicht machen: Meinen, dass Bands, die auf dem Burg Herzberg Festival abgefeiert werden, automatisch eine Daseinsberechtigung auf der Zappanale haben. Und natürlich genauso umgekehrt.